Chaissac Gaston

(1910, avallon bis 1964, la roche-sur-yon)

In seinem Streben nach vollkommener Schlichtheit reduzierte Chaissac seine Figuren auf breite Umrisslinien und kräftig kolorierte, monochrome Flächen. Häufig fügte er stark vereinfachte physiognomische Formen hinzu, die an sein eigenes Gesicht erinnern. Die Zeichnungen bestehen – analog zu seinen Malereien – aus stilisierten Figuren, vereinzelt angereichert mit geometrischen Mustern. Chaissac arbeitete mit allen ihm zur Verfügung stehenden Materialien wie etwa Tapeten, Metall oder Holz; der leidenschaftliche Briefeschreiber malte, zeichnete, erzeugte Collagen, fertigte und bemalte Objekte. „Meine Zeichnungen verkörpern meine intimen Gedanken, meine Träume, meine Aspirationen, meine Enttäuschungen“, schreibt Chaissac 1939 an einen Förderer.

Gaston Chaissac, der in eine arme Familie hineingeboren wurde und seit seiner Kindheit an gesundheitlichen Problemen litt, verließ frühzeitig die Schule und verdiente seinen Lebensunterhalt als Schuhmacher. In Paris begegnete er 1937 dem deutschen Künstler Otto Freundlich, der den Autodidakten in seinem Wunsch, Künstler zu werden, unterstützte und in der dortigen Kunstszene bekannt machte. 1942 heiratete er Camille Guibert und zog nach Vendée, von wo aus der exzessive Briefeschreiber rege Korrespondenz mit Galeristen, Autoren und Künstlern in Paris führte. Trotzdem gelang es ihm zeitlebens nicht, von seiner Kunst zu leben. Jean Dubuffet wies die Werke des Autodidakten Gaston Chaissac vorerst der Art Brut zu, revidierte seine Kategorisierung jedoch später. Seine Arbeiten sind etwa in der Collection de l´Art Brut, Lausanne, oder in der Sammlung des Museum of Modern Art, New York, zu finden.