ramírez martin

(1895, Tepatitlan, Mexiko bis 1963, Kalifornien)

Die ersten Bilder von Martin Ramírez entstanden an den Blatträndern von Briefen, die der mexikanische Auswanderer seiner Familie in die Heimat schrieb. Später, in der Psychiatrie, zeichnete er auf Wände, Böden oder Papierabfälle, die er mit einer Paste aus Kartoffeln und Speichel aneinanderklebte (sein „Entdecker“ Tarmo Pasto stattete ihn später mit besseren Materialien aus). Einige seiner Arbeiten erreichen die Länge von über fünf Metern. Ramírez schuf bizarre, aus Linien konstruierte Phantasielandschaften, die er mit Erinnerungen aus seiner Vergangenheit wie Caballeros, Madonnen oder Zügen belebte. Durch zarte Schraffur gelang es ihm, den meist hügeligen Panoramen mit ihren Tunnels und Arkaden Tiefe zu verleihen.

1925 emigrierte Ramírez von Mexiko nach Kalifornien und lebte dort in ärmlichen Verhältnissen, bevor er 1931 in desorientiertem Zustand von der Polizei aufgelesen wurde. Man brachte ihn zunächst im Stockton State Hospital und danach im DeWitt State Hospital in Auburn unter, wo er bis zu seinem Tod an seinen Zeichnungen arbeitete. Im Letzteren wurde Tarmo Pasto, Professor für Psychologie und Kunst, auf seine Zeichnungen aufmerksam. Bereits in den 50er Jahren fanden die ersten kleinen Ausstellungen mit seinen Werken statt, seither waren seine Blätter in zahlreichen Museumsausstellungen vertreten, wie im American Folk Art Museum, New York, oder im Museo Nacional Centro de Arte Reína Sofía in Madrid. Seine Werke sind unter anderem auch Teil der Sammlung des Museum of Modern Art in New York.